Was können Sie noch tun? Körperhaltung und Stimmung

Wenn wir uns freuen, lächeln wir. Es geht aber auch andersherum: Wenn wir lächeln, signalisieren die Lachmuskeln dem Gehirn: Jetzt ist Freude dran! Ähnlich ist es, wenn wir uns aufrichten – schon fühlen wir uns ein bisschen selbstbewusster. Unsere Körperhaltung und Mimik können also unsere Gefühle beeinflussen.

Für manche depressiv Erkrankte kann es deswegen hilfreich sein, eine aufrechte und kraftvolle Körperhaltung anzunehmen, statt sich widerstandslos in die vorherrschende Stimmung zu begeben. Dazu können Sie Ihren depressiv erkrankten Angehörigen auch ermutigen! Erklären Sie ihm, dass sich seine Körpersprache auf seine Stimmung auswirken kann – und er dies nutzen kann.

Manchmal ist es auch günstig, seinem Gefühl entgegengesetzt zu handeln und sich zum Beispiel trotz niedergeschlagener Stimmung zu verabreden oder etwas zu unternehmen. Zeigen Sie Ihrem depressiv erkrankten Angehörigen dann, dass Sie seine Mühe wertschätzen.

Seinem Gefühl entgegengesetzt zu handeln oder Gefühle vorzuspielen, fand ich eigentlich etwas merkwürdig. Andererseits ist mein Vater während der Depression ja auch nicht wirklich er selbst. Neulich meinte er, er findet es manchmal sogar besser, etwas gute Laune vorzuspielen – weil sonst die anderen denken könnten, er sei immer so, wie er während der Depression ist. Eigentlich ist er aber ja ganz anders! Es tut ihm gut, wenn er nicht immer nur als „der Depressive“ wahrgenommen wird.

Julia ist 24 Jahre alt und studiert. Sie wohnt in einer Wohngemeinschaft in der Nähe ihres Vaters (61 Jahre), der seit Kurzem an einer Depression leidet.