Grundlegende Tipps Nicht zum Therapeuten werden

Bleiben Sie in Ihrer Rolle als Mutter oder Vater, Partner oder Partnerin, Sohn oder Tochter. Sie kennen den Erkrankten gut und werden oft am besten wissen, was helfen kann. Unterstützen Sie den Betroffenen im Rahmen der Behandlung – so wie es gegebenenfalls mit dem Arzt oder Psychotherapeuten besprochen wurde.

Aber: Werden Sie nicht selbst zum Arzt oder Therapeuten. Diese Rolle können Sie nicht bewältigen und sie wäre auch für Ihre Beziehung nicht hilfreich. Ihr Angehöriger möchte nicht Ihr Patient sein, er braucht Sie als nahestehenden Menschen. In dieser Rolle sind Sie enorm wichtig und sogar unersetzlich – das zeigen viele wissenschaftliche Studien.

Ich weiß, dass es ganz wichtig ist, dass ich meinen Vater immer wieder ermutige, seine Tagesstruktur beizubehalten, so wie wir es mit dem Arzt besprochen haben. Ich bin aber nicht diejenige, mit der er darüber diskutieren kann, ob die einzelnen Punkte sinnvoll sind. Wenn dann mal kommt, dass das doch alles keinen Sinn hat, sage ich ihm, dass er das beim nächsten Mal mit dem Arzt besprechen soll und ich ihn bis dahin unterstützen möchte, den vereinbarten Plan umzusetzen.

Manchmal versuche ich auch, den Vater in ihm zu aktivieren – neulich haben wir zum Beispiel zusammen Lasagne gemacht, denn das war früher immer unser typisches „Papa-Gericht“. Damit ich zwischendurch auch mal wieder die Tochter sein kann!

Julia ist 24 Jahre alt und studiert. Sie wohnt in einer Wohngemeinschaft in der Nähe ihres Vaters (61 Jahre), der seit Kurzem an einer Depression leidet.

Sehen Sie sich auch an, was Frau Prof. Schramm zur Rolle der Angehörigen sagt:

Hinweis:

Denken Sie auch immer daran: Sie können zu vielem anregen oder ermutigen – umsetzen muss es aber Ihr Angehöriger selbst.

Geben Sie sich nicht die Schuld, wenn Ihr Angehöriger auf Ihre Bemühungen nicht wie erhofft reagiert. Es ist toll, dass Sie trotzdem versuchen, ihn zu unterstützen. Und es wichtig, dass Sie zugewandt bleiben und Geduld mit ihm haben.