Grundlegende Tipps Krankenrolle zugestehen

Zeigen Sie dem depressiv Erkrankten, dass Sie die gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit und Antriebslosigkeit als Zeichen der depressiven Erkrankung akzeptieren. Er darf und soll eine „Krankenrolle“ einnehmen. Das bedeutet, dass Sie weniger von ihm erwarten sollten (z. B. im Haushalt). Diese Krankenrolle bringt aber auch die Verpflichtung mit sich, alles zu tun, um wieder gesund zu werden: zum Beispiel Arzttermine wahrzunehmen, regelmäßig Medikamente einzunehmen oder Verhaltensregeln einzuhalten (z. B. spätestens um 10 Uhr morgens aufstehen).

Darauf sollten Sie achten:

  • Machen Sie freundlich klar, dass die Belastung durch die Depression Sie beide betrifft und es den Alltag erleichtert, wenn jeder weiß, was er vom anderen erwarten kann.

  • Fragen Sie den Erkrankten, welche Aufgaben ihn momentan überfordern. Überlegen Sie dann gemeinsam, welche Unterstützung helfen könnte und welche Pflichten vorübergehend von anderen Personen übernommen werden könnten.

  • Sie können die Abmachungen auch schriftlich festhalten: Damit Sie sich später gemeinsam daran erinnern und darauf berufen können.

  • Unter die Verpflichtungen in der Krankenrolle können auch positive Aktivitäten fallen, also solche, die Ihr Angehöriger normalerweise gerne macht (mit dem Hund spazieren gehen, schwimmen gehen usw.).

  • Führen Sie das Gespräch frühzeitig – entweder, wenn die Depression noch nicht so stark ausgeprägt ist oder in guten Phasen zwischendurch.

Es macht vieles einfacher, dass wir genau festgelegt haben, welche Aufgaben meine Tochter abgibt und wie sie dazu beiträgt, wieder gesund zu werden:

Ich übernehme mehr im Haushalt. Sie hat mir dafür versprochen, dass sie sich an das hält, was der Arzt ihr empfohlen hat: tagsüber nicht im Bett liegen bleiben, regelmäßig essen, einmal täglich einen Spaziergang machen – alles, was für sie machbar ist. Im Haushalt traut sie sich zurzeit nur zu, die Spülmaschine ein- und auszuräumen. Das zeigt mir aber, dass sie sich bemüht und für sie ist es ein kleiner Schritt in Richtung Normalität – damit die Depression nicht die Oberhand gewinnt.

Maria ist 54 Jahre alt und arbeitet als Zahntechnikerin. Sie lebt mit ihrer Tochter (23 Jahre) zusammen, die gerade ihre Ausbildung abgeschlossen hat und seit einigen Monaten depressiv erkrankt ist.

Ich habe mit meiner Frau Folgendes vereinbart:

Neben Arztbesuchen und dem besprochenen Behandlungsplan soll meine Frau jeden Tag eine erfreuliche Sache machen (z. B. eine Weile Gitarre spielen, ein leichtes Sudoku lösen oder eine Runde spazieren gehen). Einmal täglich darf ich sie daran erinnern. Spätestens am zweiten Tag darf ich sie (freundlich!) dazu auffordern, sich an unsere Vereinbarung zu halten. Im Gegenzug übernehme ich die Wäsche und das Kochen.