Zusammenhalt stärken Zusammenhalt während der Depression

Im Idealfall zahlen beide Beteiligte auf das gemeinsame Konto des Zusammenhalts ein.

Ist einer der Beteiligten depressiv erkrankt, entsteht aber meistens ein Ungleichgewicht:

  • Der depressiv Erkrankte zahlt oft kaum mehr etwas ein, denn häufig ist ihm nicht nach Zärtlichkeiten, gemeinsamen Unternehmungen oder Komplimenten zumute.

  • Der depressiv Erkrankte nimmt häufiger Abhebungen vom Konto des Zusammenhaltes vor, zum Beispiel, weil er sich aufgrund der Depression oft gereizt verhält oder sich zurückzieht.

Das kann für Sie als Angehörigen sehr kränkend sein – auch wenn es nicht an Ihnen, sondern an der Krankheit liegt.

Um Ihre Beziehung zu schützen, ist es deshalb besonders wichtig, dass Sie ...

  • zwischen Symptom und Person trennen.
    Wenn der Betroffene kaum mehr auf Sie reagiert, sich von Ihnen zurückzieht, gereizt ist oder auf nichts mehr Lust hat – dann ist das in der Regel die Stimme der Depression, nicht die Stimme Ihres Angehörigen.

  • besonders gut auf sich achten und bei Kräften bleiben.
    Nehmen Sie sich regelmäßig Auszeiten, treffen Sie Ihre Freunde und achten Sie auf Ihre Grenzen. Sehen Sie sich dazu auch unseren Themenbereich Selbstfürsorge an.

  • trotzdem weiter auf Ihr Konto des Zusammenhalts einzahlen.
    Dabei geht es nicht darum, noch mehr für den anderen zu erledigen, sondern um die kleinen Gesten: sich Zeit nehmen, zuhören, freundlich bleiben, eine Tasse Tee bringen oder von trüben Gedanken ablenken.

So kann es Ihnen gelingen, dass Ihre Beziehung nicht zu sehr unter der Depression leidet. Dann können Sie nach der Depression wieder gemeinsam Ihre Ziele verfolgen und das Leben genießen – und müssen sich nicht erst noch um eine gebeutelte Beziehung kümmern.

Es ist manchmal schwer, freundlich zu bleiben, wenn meine Frau kaum auf mich reagiert. Trotzdem mache ich ihr jetzt öfter einen Tee, bringe ihr ab und zu ihre Lieblingskekse mit und versuche immer mal wieder, etwas Nettes zu sagen. Ich möchte einfach daran glauben, dass es auch wieder bessere Zeiten geben wird. Und ich werde nicht der Depression die ganze Macht darüber geben, wie es uns miteinander geht – das möchte ich so weit wie möglich selbst bestimmen.

Peter ist 35 Jahre alt und arbeitet als Tierarzt. Seine Frau (32 Jahre) arbeitet halbtags und leidet seit einiger Zeit an einer Depression.

Ich habe lange gedacht, der Rückzug meiner Tochter hat etwas mit mir zu tun und war oft gekränkt. Auf unser Konto des Zusammenhalts zahle ich zurzeit auf jeden Fall mehr ein als sie. Aber je mehr ich über Depressionen weiß, desto klarer wird mir, dass ihr Verhalten nichts mit mir zu tun hat, sondern mit der Depression. Das hilft mir wirklich, auf sie zuzugehen. Manchmal spreche ich sie auch direkt darauf an, dann sage ich sowas wie: Ich sehe, du ziehst dich gerade zurück. Aber ich weiß, dass das an der Depression liegt. Ich finde es manchmal entlastend, so offen damit umzugehen.

Maria ist 54 Jahre alt und arbeitet als Zahntechnikerin. Sie lebt mit ihrer Tochter (23 Jahre) zusammen, die gerade ihre Ausbildung abgeschlossen hat und seit einigen Monaten depressiv erkrankt ist.