Tipps für Angehörige Aktivität fördern

Manchmal ist es nicht einfach zu entscheiden, wann man älteren, depressiven Angehörigen Dinge abnehmen sollte und wann es besser ist, sie zu ermutigen, selbst aktiv zu bleiben. Es ist ein schmaler Grat: Unterstützt man den älteren, depressiv erkrankten Angehörigen nicht ausreichend, brechen womöglich freudebringende Lebensbereiche weg. Hilft man zu viel, bleiben die Betroffenen nicht in Übung, trauen sich immer weniger zu und werden immer inaktiver. Daraus kann eine richtige Abwärtsspirale entstehen. Psychologen sprechen bei solchen Fällen auch von „erlernter Hilflosigkeit“.

Diese Grafik ist angelehnt an Ruthemann, U. (1993). Aggression und Gewalt im Altenheim. Verständnishilfen und Lösungswege für die Praxis. Basel: Recom.

Nach der Hüft-OP meiner Mutter habe ich, immer wenn ich zu Besuch war, ihre Wäsche gemacht. Als ich im Urlaub war, hat sie es selbst wieder übernommen. Danach bat sie mich wieder darum, weil sie wegen ihrer OP nicht so lange stehen könne. Das hat mich erschreckt – sie war immer so tatkräftig bei allem, was den Haushalt betraf. Also machte ich wieder die Wäsche, wenn ich zu Besuch war. Irgendwann habe ich dann gemerkt, dass sie gar nicht mehr versucht, körperlich fit zu bleiben und ihre Übungen zu machen, die sie in der Reha gelernt hat. Da habe ich gemerkt: Es liegt nicht an der OP, sondern an ihrer Depression. Deswegen habe ich jetzt auch die Bremse gezogen und mit ihr darüber angesprochen: Dass ich glaube, dass die Depression sie abhängig werden lässt und dass ich es für wichtig halte, dass sie körperlich aktiv bleibt. Ich glaube, das hat sie verstanden. Manchmal machen wir jetzt zusammen die Physio-Übungen, wenn ich zu Besuch bin. Die Wäsche macht meine Mutter wieder selbst.

Ute ist 75 Jahre alt und an einer leichten Depression erkrankt. Ihre Tochter Fina lebt in der selben Stadt wie ihre Mutter und versucht, sie zu unterstützen.